Hier ist er nun, mein kleiner Testbericht zum Sony Ericsson W395. Ansonsten verwöhnt von High-End-Geräten von Sony Ericsson, interessierte mich ein Modell der unteren Mittelklasse, das zudem auch noch von Sagem produziert wird, umso mehr.
Im Vorfeld habe ich nicht allzu positive Sachen über das Gerät gehört (mit dem nahe verwandten F305 hat xell leider keine guten Erfahrungen gemacht). Gemessen daran sind meine Eindrücke vom W395 durchaus positiv, wenn auch mit wenigen Abzügen. Aber eines nach dem anderen.
Optik und Haptik
Das W395 ist ein schlanker Slider, das neben Bolliden wie dem C905 sehr gefällig wirkt. Die Vorderseite ist aus spiegelndem Kunststoff, die Rückseite matt mit glänzenden Elementen. Auf der Rückseite befinden sich auch die beiden Stereo-Lautsprecher, die aber naturgemäß nicht allzu toll klingen und ihren Stereo-Effekt erst dann richtig entfalten, wenn man sich das Gerät direkt vor den Kopf hält. Auch von der 2-Megapixel-Kamera mit Fixfokus darf man keine Wunder erwarten - sie taugt nur für Schnappschüsse.
Die Haptik ist okay. Es fühlt sich eben so an, wie sich die meisten Kunststoff-Geräte anfühlen, aber nicht unangenehm. Metall oder ein anfassfreundlicher Kunststoff wie beim W880i oder C905 wäre natürlich besser gewesen, aber auch so wirkt das W395 nicht billig. Der Slider ist ordentlich verarbeitet und wackelt nur minimal. Der Druckpunkt der Tasten ist durchweg gut, es stört lediglich, dass die Zahlentasten sehr flach und nicht voneinander getrennt sind.
Während des Tests ist nichts auseinandergefallen oder sonst etwas, was von einigen Leuten bei Sagem-Geräten erwartet wird.
Software
Kommen wir zum spannenderen Teil, der Software. Das W395 startet erfreulich schnell. Nach 30 Sekunden ist das Telefon flüssig benutzbar. Während des Starts wird man von der typischen Walkman-Animation begrüßt, die spannenderweise wesentlich flüssiger läuft als auf allen mir bekannten Walkman-Modellen, die von Sony Ericsson produziert wurden.
Man findet sich schnell zurecht in den Menüs. Das Look-and-Feel ist wie eine Mischung aus W902 und W850i. Das heißt, es gibt die heute gängige 3-Tasten-Navigation, aber einige Komponenten wirken noch wie aus der vorherigen Software-Generation. Beispielsweise der Walkman wirkt exakt so wie der Walkman 2, leicht erweitert bspw. um (nicht funktionierende) Online-Feeds, aber ein Medien-Menü gibt es nicht. Das W395 leistet sich praktisch keine großen Patzer, alles wirkt durchdacht und die Software läuft stabil. Keine Abstürze während meiner Tests.
Lediglich einen ernsthaften Grund gibt es zur Beschwerde, aber der ist massiv. Die Texteingabe für SMS-Nachrichten hat Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung. Man ist als Sony-Ericsson-Benutzer gewöhnt, dass man den ersten Buchstaben des folgenden Worts groß schreibt, wenn man einmal die Stern-Taste drückt. Weitere Buchstaben sollten dann wieder klein sein. Nicht so beim W395: die Buchstaben bleiben groß, sodass ein weiterer Druck auf die Stern-Taste notwendig ist. Die Funktion, dass nur der erste Buchstaben groß geschrieben wird, wird alternativ erreicht, indem vor dem Wort zweimal die Stern-Taste gedrückt wird. Das ist ungewohnt, aber noch okay.
Hat man im Nachhinein gemerkt, dass man die Großschreibung eines Wortes vergessen oder zu viel verwendet hat, kann man das nicht mehr ändern, ohne das Wort zu löschen. Zwar kann man das Wort nachher noch auswählen und in der Vorschlagsliste ändert sich die Groß- und Kleinschreibung auch erwartungsgemäß wie bei anderen SE-Modellen, aber das hat leider keinerlei Auswirkungen auf das eigentliche Wort. Das ist extrem lästig und eventuell schon per Software-Update behoben. Das lässt sich aber nicht überprüfen, da das W395 nicht von SEUS unterstützt wird.
Die SMS-Funktion unterstützt auch einige EMS-Funktionen. So lässt sich bspw. die Formatierung, die Größe und die Ausrichtung des Texts ändern. Allerdings lassen sich diese Merkmale auf den meisten anderen Mobiltelefonen nicht sehen - zumindest auf dem W890i sieht der Text weiterhin ganz normal und unformatiert aus.
Aber weil ein Bild ja meist mehr als tausend Worte sagen und ein Video viele Bilder hat...
PC-Nutzung
Das W395 hat wie das F305 ein eigenes Treiberpaket auf der SE-Homepage, ist also nicht mit den anderen Treibern von SE kompatibel. Leider unterstützt das W395 nicht nur keine Software-Updates, sondern so weit mir bekannt auch keine Synchronisation via MyPhoneExplorer oder ähnlicher Software. Das Gerät lässt sich daher nur als Modem oder zur Dateiübertragung einsetzen. Bei letzterem zeigt es eine weitere Stärke, die seine SE-Kollegen nicht zu bieten haben: das W395 lässt sich im Dateiübertragungsmodus an den PC anschließen, erscheint also als Laufwerke im Windows Explorer und bleibt dabei weiterhin benutzbar. Nur der Zugriff auf Musik usw. ist mit dem Telefon in der Zeit nicht möglich. Geräte, die von Sony Ericsson gebaut werden, starten stattdessen im Dateiübertragungsmodus neu und man ist währenddessen nicht erreichbar.
Zusammenfassung
Das W395 zeigt also in einigen Punkten, wie gut es gehen kann. Die Geschwindigkeit in den Menüs ist toll und bis auf die Problematik beim Verfassen von SMS leistet sich das Gerät keine Patzer.
Natürlich kann man keine Leistungen wie von aktuellen High-End-Geräten erwarten. Allein schon die niedrigere Displayauflösung von 176x220 schmälert den Spaß beim Surfen mit dem eingebauten OpenWave-Browser.
Zum Schluss ein Aspekt, den man heutzutage meist vergisst: das W395 taugt auch zum Telefonieren. Man versteht den Gesprächspartner ordentlich und auch von der Gegenseite gab es keine Beschwerden. Natürlich fehlen mir Messinstrumente, um hier ein professionelles Bild zu geben, aber für den Alltagsgebrauch reichen die Telefoniefunktionen.
Themen, die hier nicht angesprochen wurden, entsprechen weitgehend den gewohnten Merkmalen von anderen Sony-Ericsson-Geräten. Ich empfehle zum Sagem-Walkman den Testbericht zum Testbericht zum W302 und wegen der Verwandtschaft auch noch mal den Testbericht zum F305.
Fazit
Sagem hat hier gute Arbeit geleistet, die Bedienbarkeit von Sony Ericsson gut nachzuempfinden. Wenn die SMS-Funktion nachgebessert wurde, ist das W395 durchaus empfehlenswert für Benutzer mit nicht zu hohen Ansprüchen. Wer schon einmal ein High-End-Gerät hatte, wird schnell die hohe Displayauflösung usw. vermissen. Für Aufsteiger dürfte das W395 aber interessant sein.
Eine klare Kaufempfehlung kann ich nicht geben, dafür ist der Beigeschmack der SMS-Funktion zu groß. Als Fan von Sony Ericsson werden einem die kleinen Unterschiede in der Benutzerführung auffallen. Ob sie dauerhaft stören, vermag ich nach dem kurzen Test nicht zu sagen. Einen Blick ist das W395 wert, am Besten bei Interesse beim Händler eures Vertrauens ausprobieren und schauen, ob ihr mit einem Sagem-Modell auch so gut klar kommt.
Besonderer Dank geht an dieser Stelle an Sony Ericsson für die Bereitstellung des Testgerätes.