Hallo mitnander,
also ich glaube, die isolierte Anwendung des m.E. übrigens für seine Zwecke ausgezeichneten Programmes "MP3-Gain" in den Standard-Einstellungen ist für die Wiedergabe auf dem Handy-Lautsprecher nicht der Weisheit letzter Schluss.
(1) Funktionsweise von mp3-gain
Durch das Programm wird bei normaler Anwendung die gesamte mp3-Datei angepasst („Normalisierung“, Ziel der Programmierer war die Ausnutzung des möglichen Dynamik-Spielraumes bei ALLEN mp3-Dateien auf einem System), so dass im Musikmaterial selbst und auf dem Wiedergabegerät insgesamt möglichst noch kein Clipping (Überschreitung des Dynamik-Spielraumes) eintritt - das ist nach den Erfahrungen der Programm-Autoren bei einem Durchschnittswert von 89 dB der Fall, höhere Werte sind je nach Qualität des mp3-Players und je nach Quellmaterial möglich.
Dabei wird von mp3 gain bei normaler Anwendung eine gehörphysiologische Berechnung durchgeführt (Berücksichtigung der „durchschnittlichen Lautstärke“ der mp3-Datei auf Basis der Gehörkurve des Menschen), so dass sich die mp3-Datei nach normaler Anwendung von MP3 Gain „wie ein durchschnittlich lautes Musikstück“ anhören soll. Im Ergebnis werden also die über einem Durchschnittswert von z.B. 89 dB liegenden Dateien leiser gemacht, die darunter lauter. Das erklärt, warum einige Foren-Teilnehmer überhaupt keinen Erfolg mit diesem Programm festgestellt haben.
(2) Eignung für normale Musikwiedergabe
Das Standard-Verfahren von mp3 Gain ist damit für die gleichmäßige Nivellierung der Lautstärke unterschiedlicher Dateien zur Wiedergabe auf normalen Lautsprechern oder über Kopfhörer ausgezeichnet geeignet und führt dort im Regelfall zu dem gewünschten Erfolg einer über die ganze mp3-Sammlung hinweg als gleichmäßig empfundenen Lautstärke. Wer also seine mp3-Sammlung für eine Zufallswiedergabe vorbereiten möchte und alle Lieder als „gleich laut“ empfinden will, für den ist das Programm in der Standardeinstellung genau das richtige. Dabei genügt das Programm sogar relativ hohen Qualitätsansprüchen, da die Lautstärkeanpassung „lossless“ erfolgt, an der Musikdatei also keine Qualitätseinbussen zu befürchten sind - wenn’s nach dem Abgleich scheppert, ist also die Hardware überfordert, die Verstärkung der betroffenen Datei kann dann jederzeit wieder rückgängig gemacht werden.
(3) Warum kommt mp3-Musik überhaupt so leise über den Handy-Lautsprecher?
Das muss sie eigentlich beim k800i gar nicht. Der Klingelton „Greeting“ etwa wird allgemein wohl kaum als leise empfunden – es handelt sich aber auch hier um einen 3gp-Ton, also um einen AAC-komprimierten Real-Ton. Schaut man sich die Datei nach der Konversion in MP3 (z.B. mit Switch) einmal genauer an (z.B. mit Audacity), dann fällt aber auf, dass der Klingelton extrem stark übersteuert. Die Aussteuerung des Klingeltons bewegt sich also immer am oberen Ende der Skala. MP3-Gain gibt in der Datei-Analyse einen Durchschnittswert von 98,8 dB aus, das sind also immerhin fast 10dB mehr als von MP3 Gain für die Normalisierung empfohlen. 20 dB bedeuten übrigens jeweils eine Verzehnfachung des Pegels (logarithmische Skala!), so dass hier schon von einer exorbitanten Übersteuerung gesprochen werden muss.
Lautsprecher und auch Verstärker des k800ikönnen also durchaus „laut“ spielen, aber nur bei entsprechend vorbearbeitetem Musikmaterial.
(4) Woher kommt das Scheppern?
Eine scheppernde Wiedergabe kann im Wesentlichen die folgenden Ursachen haben:
- Überlastung des Lautsprechers (Anschlagen an Polplatte/Rahmen) bzw. Defekt nach vorheriger Überlastung,
- Überlastung des Verstärkers (Clipping, da die Speisespannung nicht mehr für die angeforderte Lautstärke genügt),
- Clipping bereits im Musikmaterial durch übersteuerte Aufnahme.
(5) Was muss ich bei einer Bearbeitung von MP3s für Klingeltöne beachten?
Das k800i ist sicher keine Stereoanlage, mit der man seine MP3s möglichst laut über den Lautsprecher anhören will – wer das braucht, kann sich ja noch Aktivlautsprecher dazu kaufen oder sein k800i an ein Autoradio bzw. an die Heimanlage anschließen.
Demgegenüber wird es aber i.d.R. sinnvoll sein, die als Klingelton gewünschte(n) mp3-Datei(en) etwas aufzupeppen, damit der Klingelton nicht überhört werden kann. Dazu kann man folgendermaßen vorgehen (Ich möchte noch mal die Freeware Audacity -
http://audacity.sourceforge.net/ - ans Herz legen, die sich m.E. ziemlich gut zur Soundbearbeitung eignet und mit der auch gut geschnitten werden kann):
(a) Der im k800i eingebaute Lautsprecher ist prinzipbedingt überhaupt nicht in der Lage, sinnvoll Frequenzen unter sagen wir einmal 300 Hz "lautstark" wiederzugeben, da tiefe Frequenzen große Membranflächen, große Membranauslenkungen und damit auch große Verstärkerleistungen erforderlich machen (oder einen geringen Abstand zum Ohr - wie beim Kopfhörer - oder natürlich physikalische Tricks wie Bassreflex, Transmissionslinie, Folded Horn etc.).
Wenn man also basslastige mp3s z.B. als Klingelton verwendet, führt die laute Wiedergabe tiefer Frequenzen höchstens zu einem Anstoßen des Lautsprechers an der Polplatte (bzw. am Rahmen) und das führt zum hier angesprochenen Scheppern und im Extremfall zum Defekt.
Es sind zwar Gegenmaßnahmen vorhanden (Kondensator in Reihe zum Lautsprecher als elektrischer Hochpassfilter und DSP in der Verstärker-Vorstufe), aber alle diese Maßnahmen schlucken Dynamikspielraum, denn es werden der mp3-Datei eigentlich in anderen Frequenzbereich nutzbare Leistungsreserven entzogen.
Konsequenz: mp3s sollten für den Klingeltoneinsatz mit einem Equalizer so bearbeitet werden, dass der Bassbereich unterhalb ca. 300 Hz rigoros (mindestens 24 dB Abschwächung) entfernt wird, bei Audacity heißt der Effekt denn auch überraschenderweise „Equalizer“.
(b) Im Dynamikbereich völlig unkomprimierte Musik lässt sich außerdem nur schwer verstärken, da die großen Dynamikunterschiede das elektronische und mechanische Clipping begünstigen.
Konsequenz: Der Dynamikbereich sollte begrenzt werden mit einem sog. Kompressor, in Audacity heißt der Effekt „Kompressor / Rauschunterdrückung“ (Einstellen z.B.: Schwellenwert -9dB, Verhältnis 5:1 - das dämpft die Dynamikspitzen schon ganz ordentlich, die anschließend automatisch durchgeführte Verstärkung verdeutlicht den dadurch möglichen Lautstärkegewinn. Zweimalige Anwendung vergrößert den Effekt).
(c) Schließlich ist der Lautsprecher des k800i samt Verstärker zwar relativ hochwertig, was aber immer noch nicht über den ziemlich hohen Klirrfaktor der Kombination hinwegtäuschen kann. Selbst wenn das Musikmaterial selbst ein enormes Clipping von 10% aufweisen würde, ist daher fraglich, ob man dieses Clipping im Lautsprecher tatsächlich wahrnehmen kann – ich kann es leider nicht nachmessen, aber „Greeting“ dürfte einen Klirrfaktor noch über 10% aufweisen, beim Anhören mit dem Kopfhörer kann man das erahnen.
Konsequenz: Um einen Klingelton „lauter“ zu machen, kann daher zusätzlich die Verstärkungsfunktion („Gain“ / „Amplification“) z.B. von Audacity verwendet werden. Grenze braucht dabei aber noch nicht das Clipping sein, da dies ja gerade klanglich bei der Wiedergabe auf dem mickrigen Lautsprecher kaum schadet. Mit der Probehören-Funktion kann man ausprobieren, ab wann der hohe Klirrfaktor tatsächlich zum akustischen Problem wird.
(6) Abschließende Hinweise
(a) Mit den dargestellten Methoden lassen sich nicht alle Musikstücke befriedigend „auf Klingelton“ trimmen. Bei dauerlauter, sehr schneller Musik (z.B. Plastic Bertrand / Ça plane pour moi – bekannt bei alten Punk-Rockern) klingt das Ergebnis dann eher wie gequirlte Sch...
(b) SE hatte sich sehr wohl etwas dabei gedacht, als die mp3-Wiedergabe so unempfindlich eingestellt worden ist, das ist nämlich ein relativ guter Lautsprecher-Schutz. Bitte daher vorsichtig sein beim Experimentieren – was sich auf dem PC noch gut anhört, kann den Lautsprecher des Handy schon schrotten. Aufpassen also!
Viele Grüße
Edit:
@winni73
@tmac123
Das Handy und dessen Verstärker sind nur die halbe Miete. Mit einem besonders empfindlichen Kopfhörer ("Kennschalldruck" / "Empfindlichkeit") und mit Kopfhörern besonders niedriger Impedanz ("Ohm-Wert") sind bessere Ergebnisse möglich.
Weniger als 8 Ohm solltens aber nicht sein, da sonst der Verstärker im Handy abrauchen kann.
Viele Grüße
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jkarst« (1. August 2006, 18:41)