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Montag, 16. Januar 2006, 14:14

Mobilfunknetzbetreiber greifen durch

Sicherlich sind sie nicht nur für unsere Redaktion eine Plage: Spam-E-Mails oder -SMS, die den Leser dazu verführen sollen, so genannte Premium-Rufnummern zu wählen, deren Vorwahl in Deutschland bis zum 31. Dezember 2005 mit 0190 begann. Seit dem 1. Januar 2006 ist dafür nur noch die Vorwahl 0900 vorgesehen. Über diese Premium-Nummern werden Mehrwertdienste angeboten, beispielsweise der Versand von Logos und Klingeltönen, Chat- und Dating-Hotlines, aber auch zahlreiche sinnvolle Informationsdienste, wie Rechtsberatung oder die unbürokratische Möglichkeit zum Spenden für einen hoffentlich guten Zweck.
Lange war nicht klar, ob die Vorwahl 0900 aus allen Mobilfunknetzen zu erreichen ist, o2 schaltete zum Beispiel erst kurz vor Jahreswechsel den Weg zu 0900 frei. Grundsätzlich hängt es vom Anbieter des Mehrwertdienstes ab, ob er vom Handy aus erreichbar sein will. Viele Anbieter leben aber überwiegend von einsamen Handy-Anrufern, so dass diese sich in aller Regel um eine gute Erreichbarkeit aus den Mobilfunknetzen bemühen.
Viele Kunden haben aber mittlerweile eine 0900-Sperre einrichten lassen, um vor ungewollten Kosten geschützt zu sein. Teilweise wurden auch 0190-Sperren von den Netzbetreibern automatisch in 0900-Sperren umgewandelt.

Statt 0900 werden gerne andere Rufnummerngassen benutzt

Aufgrund der oben beschriebenen Vorgänge versuchen viele Anbieter, auf "unverdächtigere" Rufnummernbereiche auszuweichen. Gerne wird dafür die Rufnummerngasse 118xx ("Auskunftsdienste") benutzt, was von der Bundesnetzagentur schon seit längerem kritisch beobachtet wird. Andere versuchen es von Zeit zu Zeit mit ausländischen Vorwahlen, doch der starke Preiswettbewerb erlaubt hier kaum lukrative Ausschüttungen.

Mehrwertdienste über Handy-Kurzwahlen

Der Anbieter premiumvoice.info hatte eine andere Idee und bewirbt auf seiner Homepage eine 5stellige Kurzwahl, die nur vom Handy - dort aber ohne Vorwahl - erreichbar ist. Je nach Angebot und Inhalt können dann zwischen 0,29 und 2,99 Euro pro Minute abgerechnet werden. Bei den Angeboten über eine 0900-Nummer ist schon bei zwei Euro pro Minute Schluss. Zudem muss der Preis vor dem Angebot angesagt werden, danach ertönt ein Signalton und erst ab diesem Zeitpunkt darf berechnet werden.
Während ein geprellter 0900-Kunde relativ leicht Einspruch erheben kann, könnte dies bei den beschriebenen Kurzwahlen anders aussehen. Der Anbieter, ein Herr Michael Ehlers aus Bad Segeberg, der auch andere Internetseiten im Erotik und Datingbereich betreibt, preist Premium-Voice-Nummern als "perfekte Lösung für alle" an, die u. a. nahezu keine Forderungsausfälle erwarten lasse und zudem eine hohe Akzeptanz bei den Endkunden haben werde.
Bei verschiedenen Teltarif-Lesern schlug nun eine Spam-Mail auf, die mit der Anrede Hallo Schatzi für die Rufnummer 2244678 warb, die man ohne Vorwahl vom Handy für 1,99 Euro pro Minute erreichen könne. "Biggi aus Hamburg" sei 19 Jahre jung und rede gerne [...] "über richtig versautes Zeug." Wer die 2244678 vom Handy anwählte, bekam teilweise keine Verbindung. Kürzte man die Nummer jedoch auf 22446 (ohne Vorwahl) hörte man eine Tarifansage - allerdings war da bereits der Betrag von 1,99 Euro abgebucht. Nach einigem Klingeln und Musik meldete sich eine Art "Vermittlung", die sich nach den Vorlieben des Anrufers erkundigte und dann zur gewünschten "Person" durchstellte.

Mobilfunkanbieter stoppen premiumvoice.info

Zum Glück für den Endkunden machen die Mobilfunknetzbetreiber das Spiel nicht mit. T-Mobile hatte die Kurzwahl von vorneherein nicht freigegeben - premiumvoice.info spricht freilich davon, dass die Premium-Voice-Nummern "zunächst 'nur' ueber die Netze von O2, Vodafone und EPlus erreichbar" sind.
Vodafone hat die Nummer mittlerweile nach detaillierten Kundenbeschwerden kurzfristig gesperrt. E-Plus teilte der teltarif-Redaktion mit, man werde sofort gegensteuern und dafür sorgen, "dass unseren Kunden durch dieses Angebot kein Schaden mehr entstehen kann", auch o2 bereite entsprechende Schritte vor.

Bundesnetzagentur bittet Betroffene um Mithilfe

Für Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur waren diese Nummern neu. Er ermunterte alle Betroffenen, derartige SPAM-Mails oder -SMS mit einer kurzen Beschreibung des Vorgangs, allen Absenderdaten wie Nummer der Kurzmitteilungszentrale oder E-Mail-Headerdaten, dem Hinweis, dass zum Anbieter keine geschäftliche Beziehung besteht und Angabe der Nummern, für die geworben wurde, an die E-Mail-Adresse rufnummernspam@bnetza.de zu schicken. Noch seien solche Vorgänge "nicht gehäuft" aufgetreten.
Für die Anbieter von Mehrwertdiensten, die ihre Dienste über die Telefonrechnung verkaufen möchten, wurde vom Gesetzgeber die Vorwahl 0900 vorgesehen. Hier muss am Anfang der Verbindung eine deutliche und kostenlose Ansage auf den Preis des Angebotes hinweisen, damit ein Anrufer die Chance hat, noch rechtzeitig aufzulegen, bevor der Gebührenzähler zuschlägt.
In den Mobilfunknetzen werden seit Netzstart unter Kurzwahlen teilweise auch Mehrwertdienste angeboten, die sich aber bislang unmittelbar auf das mobile Telefonieren oder damit verbundene Tätigkeiten beziehen. Dies sind beispielsweise Verkehrs- oder Wetterinformationen oder ein reeller Auskunfts- oder Weitermittlungsdienst, der die gefundene Rufnummer auf Wunsch auch per SMS auf das Handy schickt und nur einen einmaligen Aufschlag kostet, wenn man sich wirklich verbinden lässt.
Quelle: teltarif
Weil die Lichtgeschwindigkeit höher als die Schallgeschwindigkeit ist, hält man viele Leute für helle Köpfe, bis man sie reden hört.
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