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   Donnerstag, 31.03.2005 16:52 1 


Nun hat auch der Mobilfunkriese T-Mobile zum Ende März seine elektronische Geldbörse, die Mobile Wallet, eingestellt. Damit sich mobiles Bezahlen etwa im Stil der EC-Karte etablieren kann, müsste das Handy auf breiter Basis einsetzbar sein, sind sich die Experten sicher. Führende Vertreter aus Bankwirtschaft, Mobilfunkindustrie und Wirtschaftsministerium arbeiten jetzt an einer gemeinsamen Lösung.
"Bezahlmöglichkeiten mit dem Handy werden von den meisten Anwendern noch immer ignoriert", bestätigt auch Key Pousttchi, Wirtschaftsinformatiker der Universität Augsburg. Bisher ziehen die Deutschen gewohnte Verfahren wie EC-Karte, Überweisung und Lastschriftverfahren vor. Die funktionieren sowohl an der Supermarktkasse, als auch im Internet, Parkhaus oder Restaurant. Das Handy dagegen lässt sich dazu nur in Ausnahmefällen einsetzen, beispielsweise beim Ticketverkauf für öffentliche Verkehrsmittel.
Dies erklärt auch das Scheitern der Mobile Wallet. "Die elektronische Geldbörse konnte sich nicht in der breiten Masse durchsetzen", sagt Husam Azrak von T-Mobile in Bonn. Dabei ist die Bereitschaft bei den Bundesbürgern durchaus vorhanden: Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ergab im Herbst vergangenen Jahres, dass knapp die Hälfte der Deutschen mit dem Handy bezahlen würde.
Eine Arbeitsgruppe des Augsburger Wissenschaftlers Pousttchi hat ein neues Modell dafür entwickelt, wie das Handy zum universellen Bezahl-Instrument werden kann. Dabei soll der Zugriff auf das eigene Bankkonto ebenso möglich sein wie das Bezahlen von Kleinstbeträgen per SMS, das Lösen von Parktickets oder der Kauf von Zigaretten am Automaten.
"Die Mobilfunkteilnehmer brauchen einen bequemen Weg, mit ihrem Handy zu bezahlen", sagt auch Jim Wadsworth, Marketing-Chef von Simpay in London. Das Gemeinschaftsunternehmen der großen Mobilfunkanbieter -- in dem unter anderem Orange, Vodafone, T-Mobile und Telefonica Moviles vertreten sind -- steht nach vielen Ankündigungen mit einer eigenen Lösung am Start.
Grenzüberschreitend und unabhängig vom nationalen Mobilfunkanbieter und individuellen Vertragsmodell soll das Verfahren funktionieren: Ein belgischer Mobilfunknutzer, der etwas von einem Händler in Spanien kaufen möchte, kann durch eine einfache Transaktion mit Hilfe eines Klicks auf den Simpay-Button der mobilen Webseite den Kauf durchführen - der Betrag wird über die Handyrechnung beglichen.
"Ziel von Simpay ist es, eine ähnliche Bezahlstruktur wie bei der Kreditkarte zu erreichen", sagt Azrak. Das Unternehmen hat seinen Dienst auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Cannes für Mitte 2005 in Spanien, Großbritannien und Belgien angekündigt. Eine Einführung in Deutschland sei allerdings nicht vor 2006 zu erwarten: "Es gibt auf dem deutschen Markt rechtliche Hindernisse, die vor dem Start geklärt werden müssen", sagt Wadsworth.
Das Problem ist bekannt: Für das Handling größerer Beträge ist hierzulande eine Banklizenz notwendig -- über die Telefonrechnung dürfen nur Telekommunikationsdienstleistungen im Bereich geringer Beträge abgewickelt werden. Telekom-Unternehmen, Banken und Händler sind bei der Abrechnung der Beträge aufeinander angewiesen und müssen zusammenarbeiten.
Ein Roundtable des Wirtschaftsministeriums will Bankenverbände und Mobilfunkunternehmen zur konkreten Initiative bewegen. "Besonders für die Banken ist das Thema von strategischer Bedeutung und der Zeitpunkt für den Einstieg günstig", sagt Pousttchi, der den Gesprächskreis leitet. Werde die Chance jetzt verpasst, könnten die Mobilfunkanbieter mit Simpay versuchen, allein einen Weg zu finden.
"Der Weg ist eine Kooperation", sagt auch Sven Siering, M-Payment Experte der Postbank in Bonn. Mit am Roundtable sitzt daher auch der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Sprachrohr der Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft. Zwei Treffen haben bereits stattgefunden, im April setzt die Runde ihre Zusammenarbeit fort. Bis Ende September sollen die Banken konkrete Entscheidungen treffen. Etwa zwei Jahre müsse man der Entwicklung jedoch noch geben, bevor der Verbraucher auf mobile Bezahlverfahren zugreifen kann, schätzt Siering. (Mareike Enderle, dpa) (ssu/c't)
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   Samstag, 25.06.2005 20:10 2 


Das als europaweite Bezahl-Allianz großer Mobilfunkanbieter, unter anderem von Orange, T-Mobile und Vodafone, gestartete Unternehmen Simpay will seine Aktivitäten vorerst einstellen. Das kündigte Simpay am gestrigen Freitag unter Bezug auf den Ausstieg eines Gründungsmitglieds an. Um wen es sich handelt, verriet die Meldung nicht, doch diverse Quellen nennen T-Mobile. In der Erklärung heißt es weiter, dass die beteiligten Unternehmen für nationale Aktivitäten das gemeinsame geistige Eigentum von Simpay nutzen dürfen. Die Ankündigung stellt nur eine von vielen Fehlschlägen dar, mobile Bezahlsysteme zu schaffen.
Key Pousttchi Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg sieht in der Ankündigung allerdings eine Chance für nationale Angebote. "Nach unseren Untersuchungen", so Pousttchi, in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Pressedienst der Universität Augsburg, "haben nationale, aber dafür umfassende und nutzerfreundliche Lösungen erheblich bessere Aussichten auf einen Marktdurchbruch des Bezahlens mit dem Handy als Strategien, wie sie mit Simpay verfolgt wurden." (ps/c't)
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   Montag, 04.07.2005 18:28 3 


Mobile Payment-Lösungen haben auch in Europa realistische Chancen auf einen erfolgreichen Marktdurchbruch. Nach Einschätzung der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton weist allein der deutsche Markt für Mobile Payment ein jährliches Gebührenpotenzial für Zahlungsverkehrsabwicklung von 100 Millionen Euro auf. Aktuell werden über 60% aller Transaktionen im deutschen Einzelhandel noch immer mit Bargeld abgewickelt - ein hohes Wachstumspotenzial für bargeldloses Bezahlen. Da nahezu 90% der relevanten Zielgruppe über ein Mobiltelefon verfügen, drängen sich Handy basierte Bezahlverfahren zunehmend in den Vordergrund. Dafür spricht auch, dass die Akzeptanz für Mobile Payment-Lösungen in der Bevölkerung stark zunimmt.
Keine Einzelversuche
Banken, Kreditkartengesellschaften, Gerätehersteller und Telekommunikationsunternehmen in Europa (wie speziell in Deutschland) könnten durch ein innovatives Kooperationsmodell einen durchschlagenden Erfolg erzielen. "Alle Beteiligten haben Interesse in diesem Markt, doch bislang waren die Berührungsängste vor Kooperationen zu groß. Versuche einzelner Unternehmen der Vergangenheit wie Paybox bzw. gerade erst SIMPAY sind gescheitert. Dabei zeigt Japan, wie es schnell und problemlos funktionieren kann", so Telekommunikationsexperte Roman Friedrich.
In Japan läuft es schon
In kurzer Zeit haben NTT DoCoMo und Sony in Japan eine einfache, gerätebasierte Mobile Payment-Lösung etabliert. FeliCa-Handys sind mit einem Sony-Chip ausgestattet. Dieser ermöglicht das Bezahlen per Handy in zahlreichen Geschäften, die über entsprechende Lesegeräte verfügen. Nur fünf Monate nach dem Start des Dienstes verzeichneten die Anbieter Ende 2004 bereits eine Million Teilnehmer. Ende 2005 werden es mehr als zehn Millionen sein. Für die Zukunft setzt NTT DoCoMo noch stärker als bisher auf die Zusammenarbeit mit Banken und Kartengesellschaften. "Die Partner haben ein Geschäftsmodell entwickelt, von dem alle Beteiligten profitieren. Das Positive: Keiner muss die gesamte Verantwortung für große Investitionen alleine tragen!", sagt Johannes Bussmann, der für Banken- und IT-Lösungen verantwortliche Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton.
Infrastrukturen wichtig
"Das ist auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Verbreitung von Mobile Payment-Lösungen in Europa. Alle Beteiligten, insbesondere die Telekommunikationsunternehmen, sollten sich bewusst sein: Das Bezahlen per Handy ist auch auf der Basis bestehender Infrastrukturen für bargeldloses Bezahlen möglich. Darin liegt der wesentliche Unterschied zu allen bisherigen Mobile Payment-Versuchen" so Bussmann weiter.

Quelle: presseportal/insidehandy

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