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Montag, 14. Juni 2010, 22:40

Testbericht mit Unterschieden zum Vivaz

Das Vivaz Pro
HD für Vielschreiber.
Lang, lang ists her, seit das Vivaz Pro und ich unsere erste Begegnung hatten. Das erste Mal trafen wir uns in einem Trailer auf der Cebit. Meine Eindrücke damals: super verarbeitet mit handschmeichelnder Form. Jetzt habe ich wieder einmal das Vergnügen mit dem Vivaz Pro. Wird es diesmal Schwächen offenbaren?



Allgemeines
Da es schon einen ziemlich ausführlichen Testbericht zum Vivaz gibt, werde ich hier mehr auf die Unterschiede eingehen. Das Vivaz Pro ist mit 109mm minimal höher als das Vivaz und auch nur 2,5mm dicker (15mm zu 12,5mm). Es wiegt mit seinen 117g 20g mehr als das Vivaz. Da schlägt der Slidermechanismus zu buche. Die Kamera bietet 5 Megapixel und genau wie das Vivaz Aufnahmen in 720p.



Der Lieferumfang fällt (zumindest bei meinem sample) recht spartanisch aus. Dabei sind:
• Das Gerät samt Akku (mit einer Displayschutzfolie)
• 8gig Speicherkarte (Micro-SD)
• Micro-USB Ladegerät
• Bass Reflex Lautsprecher (keine In-Ears --> schwach.)
• Die üblichen kleinen Heftchen
• Das wars.



Verarbeitung
Das Vivaz Pro ist ein bildhübsches Handy. Die abgerundeten Formen liegen wunderbar in der Hand, man möchte es nie wieder loslassen. Die Verarbeitung meines Testgerätes ist wirklich wertig und obwohl das Vivaz Pro außen vollständig aus Plastik ist, kommt nie der Eindruck eines billigen Gerätes auf. Für den Preis darf man das allerdings auch erwarten. Das Display ist aus Plastik, was wohl dem resistiven Touchscreen geschuldet ist. Schade, denn ich finde, Glasdisplays bieten allein wegen ihrer „Grundkälte“ bei der Berührung ein deutlich hochwertigeres Toucherlebnis. Der resistive Touchscreen reagiert auf leichten Druck und kann mit allen Gegenständen bedient werden. Für mich eine Umgewöhnung, aber das ist wahrscheinlich eine Glaubensfrage. Da bei meinem Gerät kein Stylus dabei war, bediene ich das Handy grundsätzlich nur mit den Fingern. Zum besseren Zielen kann man auch den Fingernagel einsetzen.
Die Tastatur
Größter Unterschied der beiden Vivaz-Schwestern ist die ausziehbare Tastatur des Vivaz Pro. Hier hatte ich im Vorfeld einige Bedenken. Auf der Cebit kursierte offenbar ein Testgerät, das mit der Zeit tiefe Furchen vom Slidermechanismus bekam. Diese Angst kann ich entkräften. Der Slidermechanismus bedient sich leichtgängig und hinterlässt auch nach vielen Slidevorgängen keinerlei Spuren auf der Tastatur oder der Rückseite. Wie das nach zwei Jahren aussieht kann ich natürlich nicht sagen. Auch finde ich dass der Slider anfangs etwas zu lasch sitzt. Das Handy wirkt im geschlossenen Zustand etwas wacklig.



Die Tasten an sich sind unglaublich gut verarbeitet. Auch lange Texte (wie der obige Absatz) lassen sich damit wunderbar schreiben. Ich für meinen Teil habe die on-screen Tastatur genau ein Mal angerührt. Die Hardwaretastatur ist für Otto-Normal-User bestimmt in 99% der Fälle die bessere Alternative zur Software. Einzige Ausnahme ist die Eingabe von Telefonnummern. Die Tasten haben je einen kleinen Zwischenraum und sind gleichmäßig beleuchtet. Im Vergleich dazu die Tastatur des Motorola Milestone: Die kann sich da noch eine Scheibe von abschneiden.



Auf das Betriebssystem Symbian S60 5th Edition ist ja im anderen Test von MC II 26 schon eingegangen worden. Wer sich das Menü in allen Unterpunkten noch einmal ansehen möchte, kann das in folgendem Video von xell tun:

Symbian
Ich persönlich bin Zeit meines Lebens mit Symbian nie so richtig warm geworden, daher kann es sein dass ich da übertreibe, aber das OS erschwert mir die Bedienung anstatt sie mir zu vereinfachen. Beispiel: Ich habe während des gesamten Tests nicht herausgefunden wie man Umlaute mit der Hardwaretastatur schreibt. (Ach, man muss die „sym“-Taste gleichzeitig mit dem Vokal drücken?) Außerdem konnte ich leider den Klingelton nicht leiser stellen. Wenn ein Handybetriebssystem mir derartige basic Aufgaben nicht erlaubt oder ich mich tot suchen muss, disqualifiziert es sich für mich aus Usabilitysicht selbst. Nennt mich blöd, aber is so.

Kamera
Im Gegensatz zum Vivaz hat das Vivaz Pro nur eine 5 Megapixel Kamera an Bord. Dass Megapixel allein aber kein Qualitätsmerkmal sind spricht sich ja so langsam rum. An dieser Stelle lasse ich einfach die Fotos für sich sprechen.



Grundsätzlich ist die Qualität der Kamera im hellen ordentlich. Die Startzeit der Kamera-App sowie die Auslösegeschwindigkeit haben mich positiv überrascht. Vom Starten der App via Kameraknopf bis zum Auslösen des Fotos dauerte es bei mir genau 5 Sekunden. (Das Bild springt gerade von 4 auf 5)



Man kann die Kamera auch bei aktivierter Tastensperre starten. Das Vivaz Pro hat genau wie das Vivaz einen separaten Knopf für die Videokamera. Aus der Tastensperre heraus hat es bei mir 7,7 Sekunden gedauert bis das Video anfing aufzunehmen. Beim Aufnehmen von HD Videos macht sich das relativ geringe Gewicht des Vivaz Pro bemerkbar: Alle Videos verwackeln. Wer sich die Videos länger in Vollbild ansieht wird wohl über Kurz oder lang Seekrank. Besonders cool ist der kontinuierliche Autofocus während der Videoaufnahme. Sorry für den Wind aber am Meer ist das nunmal so. ;)


Organizer und Medien
Zu den Standardanwendungen hat MC II 26 ja schon ausführlich was geschrieben. Ich gehe daher auf eine coole Funktion ein, die mich damals auf der Cebit schon sehr beeindruckt hat: DLNA.
DLNA ist eine Funktion, die das Vivaz Pro zum Medienserver macht, so dass für das Fotos betrachten oder Musik hören vom Handy kein Datenkabel mehr gebraucht wird. Das Handy meldet sich im Netzwerk dann als Medienserver und ich kann mit meinem Computer oder anderen DLNA fähigen Netzwerkgerät drauf zugreifen.



Das kann auch eine Playstation3 sein oder ein netzwerkfähiger Fernseher. In meinem Selbstversuch konnte ich auf Musik und Fotos zugreifen, aber nicht auf Videos auf dem Handy. Woran es liegt kann ich nicht abschließend sagen.

Akku
Der Akku hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Die ersten paar Tage habe ich das Telefon als Smartphone auch ausgenutzt. Ich habe einen Twitterclient installiert, Fotos und Videos gemacht, gesurft und mich auf Facebook herumgetrieben. Dabei habe ich überall wo verfügbar WLAN genutzt, sonst HSDPA. Bei dieser Nutzung hält der Akku ca. 1,5 Tage. Besonders ärgerlich fand ich, dass die Akkuanzeige um 13Uhr noch auf „halb voll“ stand, um 15:30Uhr hatte sich das Vivaz Pro aber schon still und heimlich ausgeschaltet. Blöd, wenn man sich darauf verlässt, dass man erreichbar ist.
Seit drei Tagen habe ich allerdings die Simkarte gewechselt und habe das Handy tagsüber im Standby und telefoniere ca. 20 Minuten damit. Zusätzlich schreibe ich noch ein paar SMS. Das Vivaz Pro macht sich hier bedeutend besser und hält locker vier Tage durch. Ich wohne allerdings auch in der Innenstadt wo das Netz immer gut empfangbar ist.

Klang
Ich habe das beigelegte Headset nicht mal ausgepackt. Eine Schande, dass SE sowas im Jahre 2010 noch beilegt. Ich habe daraufhin mal die Qualität mit identischen Liedern und meinen Creative EP630 In-Ears zwischen meinem iPod nano und dem Vivaz verglichen. Beide klingen für mich gleich. Ich spare es mir jetzt mal, den Sound blumig zu umschreiben. Das Vivaz Pro gibt aus dem Klinkenausgang kein störendes Rauschen oder dumpfen Sound aus – die wahre Qualität zu beurteilen überlasse ich den Audiophilen unter euch.
Der integrierte Lautsprecher im Vivaz Pro ist laut genug um auch in der U-Bahn gehört zu werden. Aber mehr als Klingeltöne sollte er beim besten Willen nicht abspielen.

Fazit
Mir ist aufgefallen dass, je nachdem mit was für Erwartungen man an das Vivaz Pro herangeht, das Telefon verschieden zu Gefallen weiß. Behandelt man das Vivaz Pro wie ein reinrassiges Smartphone, stehen auf der Plus-Seite:

+ Hardware-Tastatur
+ Grundsätzlich Smartphonetaugliches Betriebssystem
+ Viele Applikationen verfügbar
+ Sync via Sony Ericsson Sync

Allerdings hat das Vivaz Pro betriebssystembedingt einige Mängel, die in modernen Smartphones unter Anroid oder iOS besser gelöst sind:

- Kein Appstore als zentrale Anlaufstelle für Apps
- Software nicht besonders intuitiv
- Rudimentärer Kalender
- Kein Push-Mail
- Kurze Akkulaufzeit mit 3G und WLAN

Benutzt man das Vivaz Pro aber als das Handy, für das Sony Ericsson es wohl eher vorgesehen hat, nämlich als Multimediamaschine für Vielschreiber, ergeben sich ganz andere Vorteile:

+ HD Camcorder
+ Schnelle Auslösezeit bei Fotos
+ Gute Fotoqualität
+ Schön klein
+ Hardwaretastatur wunderbar zu bedienen
+ Medienserver
+ Medienmenü
+ Klinkenanschluss
+ TV-Out

Ein paar Nachteile gibt’s aber auch hier:

- Für 720MHz zu wenig Performance
- Browser nicht auf der Höhe der Zeit
- Betriebssystem unintuitiv

Sowohl Vor- als auch Nachteile überschneiden sich hier natürlich teilweise. Ich denke aber wer sich zur Zielgruppe der Medienbegeisterten Vielschreiber zählt, wird definitiv mehr Freude mit dem Gerät haben als Geschäftsleute, die ein vollwertiges Smartphone erwarten, das auch softwareseitig auf der Höhe der Zeit ist.
Bewertung:
Verpackung und Lieferumfang: Außer dem Handy an sich darf man nicht allzu viel erwarten.
Verarbeitung: Sauber verarbeitet, der Slider leistet erst ab dem dritten Millimeter Widerstand, was die Konstruktion etwas lasch wirken lässt.
Display: 3,2“ sind okay, auch bei Sonne gut ablesbar.
Medien und Unterhaltung: Bis auf das Murks-Headset das Steckenpferd des Vivaz Pro!
Kamera: 5 Megapixel reichen in 99% der Lebenslagen, HD Aufnahmen sehen toll aus.
Bedienung: Symbian erfordert einige Einarbeitungszeit. Intuitiv ist anders.
Akku: Entspricht der gängigen (generell kurzen) Laufzeit bei Fulltouch-Geräten. Überraschend lang bei ausschließlichem Telefonbetrieb.

Insgesamt: Super Gerät für Leute, die vor allem die Hardwaremöglichkeiten schätzen.
Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit.
(m)ein Handy auf Reisen gewesen
Sie werden sich wünschen, dass wir politikverdrossen sind.